Kino

Langsam wird es wieder hell im Kino. Um mich herum stehen alle auf, nehmen ihre Jacken von den Lehnen ihrer Sessel und verschwinden nach draußen. Es ist schon dunkel, die Nacht hat alles Licht geschluckt. Nur hier, im alten Kino, ist es noch hell. Aber es ist keine schöne, warme Helligkeit, sondern das Licht trister, kalter Neonröhren. Neonröhren, die ihre besten Tage schon lange hinter sich gelassen haben und sich nun regelmäßig durch ein merkwürdiges, monotones Summen bemerkbar machen. Und doch ruft dieses alte, inzwischen wohl schon baufällig gewordene, Kino Emotionen hervor. Es bringt gestandene Männer zum Weinen; lässt Kinder, die den Eintritt von ihrem ersten Taschengeld bezahlt haben, lachen und vermittelt während der täglichen Vorstellung ein Gefühl von Geborgenheit und Gemeinsamkeit.

Dies ist wahrscheinlich der Grund, weshalb so viele Menschen dieses Kino besuchen, und es nach dem Film gut gelaunt, Hand in Hand mit ihrem Partner, wieder verlassen.

Doch für mich endet dieses Gefühl genau jetzt. In dem Moment, in dem das Licht der Neonröhren das Licht der Leinwand überdeckt, und die Schritte der glücklichen Pärchen die Musik des Abspanns übertönen.

Denn ich bin keine von ihnen. Gehöre nicht dazu. Kann dieses Gefühl nicht mit einem geliebten Menschen teilen, oder mit ihm zusammen diese Stimmung weiterfühlen.

Denn ich bin alleine. Einsam.

Langsam raffe ich mich auf. Verlasse das Kino, kehre zurück in mein alltägliches Leben. Beginne wieder damit, Gefühle zu unterdrücken und zu überspielen.

Bis ich wieder hier sitzen werde.

Bis zum nächsten Film...

10.8.09 01:30

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